Jenseits der Bahnlinie

 

Seit Freitag den 18.11.2005 ist Feldafing um eine wesentliche Attraktion reicher. Das von dem bedeutenden und bekannten Stahlskulpturisten Alf Lechner geschaffene, ca. 50 Tonnen schwere Kunstwerk "Anlehnung" gewinnt nicht zuletzt durch den Kontrast zwischen Moderne und Tradition (Kalvarienberg) an Bedeutung.

Alf Lechner wurde 1925 in München geboren, er war am Anfang seines Schaffens als Maler und Grafiker tätig. 1961 entstanden seine ersten Stahlskulpturen. Er erhielt mehrere Kunstpreise und mit dem Bau des Alf-Lechner-Museums wurde ihm in Ingolstadt bereits zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt.

An den christlichen Friedhof schließt sich südlich ein Jüdischer Friedhof an. Hier fanden in 112 Gräbern die im Feldafinger DP-Lager (siehe oben) Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte.

Am 1. Oktober 1950 wurde die Anlage vom Präsidenten des Landesentschädigungsamtes Dr. Auerbach zum "KZ-Ehrenhain" geweiht. Die deutsch und hebräisch abgefasste Inschrift auf dem Gedenkstein lautet: "Die friede- und heimatlos | nun ruhen | in Abrams Schoß. | Hier ruhen unzählige Opfer des Jüdischen Glaubens. Sie wurden in den Jahren 1933-1945 durch Nazischergen ermordet".

Diese Aufschrift ist historisch missverständlich, da die hier Bestatteten nicht während der Jahre der Naziherrschaft ihren Tod gefunden haben, sondern nach Kriegsende den Haftfolgen erlegen sind, was freilich für die Opfer keinen Unterschied macht.

 


 

Zusammengestellt von Ursula Neudorfer unter Mitarbeit von Eberhard Köstler

 

Bildrechte Gemeinde Feldafing - Ein Download wird nur für private, doch nicht für kommerzielle Zwecke gestattet. Eine Weitergabe an Dritte, z.B. Sponsoren usw. wird nicht gestattet. Politische Parteien und Gruppierungen dürfen die Bilder nicht benützen.

 

 

Kalvarienbergstraße

 



Kreuzigungsgruppe

 

Der Kalvarienberg, bestehend aus 14 Stationshäuschen in Gusseisen mit farbig gefassten Kalksteinreliefs hinter Glas, sowie einer Kreuzgruppe in Zink- und Eisenguss, wurde in 25-jähriger Arbeit vom Feldafinger Pfarrer und Dekan Dr. Eduard Maria Clos (1827-1893) zwischen 1864 und 1892 angelegt und am 28. August 1892 eingeweiht. Die Darstellung der Kreuzigungsgruppe folgt bis ins Detail den Visionen der stigmatisierten Nonne Katharina Emmerick (nach Clemens Brentano). Sogar die Erdspalte, die sich beim Tode Christi auftat, ist zwischen dem Kreuz Christi und dem des Schächers zur Rechten angedeutet. Die gusseisernen Stationsumrahmungen entwarf der Architekt Johann Marggraff, die Reliefs schufen die in Stadtamhof tätigen Bildhauer Gebrüder Preckel. Sie wurden u. a. von Reichsrat Joseph Anton von Maffei, Kommerzienrat Max Kustermann, Hotelier Max Strauch, Gabriel Sedlmayr (Spatenbräu), Dekan Clos, dem Fürsten Thurn und Taxis und der Kaiserin Elisabeth von Österreich gestiftet. Von der Kreuzigungsgruppe aus bietet sich eine eindrucksvolle Fernsicht nach Südosten auf den Starnberger See und das Gebirgspanorama von der Benediktenwand bis zum Wettersteinmassiv.

 

An der Ecke Wielinger-/Kalvarienbergstraße hat sich der hübsche alte Wegweiser "Zum Calvarienberge" aus Gusseisen erhalten.

 

Ein Kurzführer zur Geschichte und Gestaltung des Kalvarienbergs ist gegen eine Schutzgebühr (Spendenbeitrag) von 3,00 € bei der Gemeindekasse erhältlich

Friedensweg 13

Ab ca. 1880 anstelle des zu klein gewordenen Friedhofs bei der alten Pfarrkirche als Nekropole genutzt, finden sich hier auch einige denkmalgeschützte Grabmäler mit Figurenschmuck, die sämtlich um 1910-20 entstanden sind. Besonders bemerkenswert sind die Gräber der Honoratioren und frühen Villenbesitzer Biersack, Böck, Keim, Kraft, Mahla und Sythoff. Bei dem großen eisernen Friedhofs-Kruzifix finden sich die Gräber des Architekten Anton Hatzl (Villa Heidinger in Pöcking) und des Kammersängers Heinrich Knote (1870-1953).

Jenseits der Bahnlinie *

Auch jenseits der Bahnlinie wurden nach 1900 an der Bergstraße, der Pöckinger und der Wielinger Straße Villen und Landhäuser errichtet, etwa die Villa Arnim (1907; Bergstr. 11). Im Haus Wielinger Str. 28 wohnte von 1916-24 der Schriftsteller Bruno Frank (1887-1945), einer der nächsten Freunde und späterer Nachbar Thomas Manns in München (Heißerer 1995, S. 270-75). Etwas abseits vom Ort steht die prachtvolle neoklassizistische Villa Seewies (Seewiesstr. 65), 1912-13 von Gustav von Cube für den Direktor des Russischen Lloyd in Petersburg, Gustav Tschernikow, erbaut, der aber nach dem Verlust seines Vermögens durch die Russische Revolution diesen Besitz 1917 schon wieder aufgeben musste. Später wurde das Gebäude als Erholungs- und Schulungsheim genutzt. Die bis dahin gut erhaltene luxuriöse Innenausstattung wurde seither durch Immobilienspekulation stark verändert bzw. in Mitleidenschaft gezogen.

Der zwischen Friedhof und Kalvarienberg gelegene Gallerberg sowie der erst jüngst abgeholzte Zellerberg bieten prächtige Ausblicke auf Ort, See und Gebirgskette.

* Alle hier aufgeführten Villen und Landhäuser sind in Privatbesitz und können nicht besichtigt werden. 


Zusammengestellt von Ursula Neudorfer unter Mitarbeit von Eberhard Köstler

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