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Roseninsel

Wittelsbacher Park 1

Die zauberhaft gelegene einzige Insel im Starnberger See war bereits in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt und muss als einer der ältesten Siedlungsplätze der Umgegend gelten. Grabungsfunde haben Werkzeuge, Gefäße und kultische Gegenstände zutage gefördert. Die Insel, in deren Nähe auch Pfahlbauten gestanden haben sollen, war durch zwei hölzerne Brücken mit dem Festland verbunden. Auch römische Funde wollte man im 19. Jahrhundert gemacht haben, doch waren diese Stücke den eifrigen Ausgräbern damals unterschoben worden. Wichtiger wiegt die Entdeckung des ältesten bayerischen und längsten mitteleuropäischen Einbaums 1986 im Bereich der Roseninsel, der anhand dendrochronologischer Untersuchungen in die Urnenfelderzeit (900 v. Chr.) datiert werden konnte. Ein Nachbau zu wissenschaftlichen Zwecken erwies sich 2001 als erstaunlich seetüchtig.

Früh, bereits im 12. Jahrhundert, wurde auch eine Inselkirche errichtet, die sich nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Ruine erhielt und deren Westwand bei der Umgestaltung der Insel Wörth zur "Roseninsel" in das auch als Orangerie und Wirtschaftsgebäude genutzte Gärtnerhaus, das heute ein kleines Museum und ein Kassengebäude beherbergt. Die ursprüngliche Bruchsteinmauer ist nun wieder freigelegt. Jahrhunderte lang wurde die Insel landwirtschaftlich von Fischern genutzt, seit 1678 von der Hoffischerfamilie Kugelmüller. Erst 1850 begann eine neue Epoche und die Umgestaltung und Umbenennung zur "Roseninsel". König Maximilian II. von Bayern erwarb die Insel von der Fischerfamilie, ließ sie von Peter Joseph Lenné vergrößern und gartenkünstlerisch gestalten und von Franz Jakob Kreuter ein kleines italianisierendes Landhaus im "pompejanischen Stil", das so genannte "Casino", erbauen. Als Vorbilder dienten das Gärtnerhaus der Römischen Bäder beim Potsdamer Schloss Charlottenhof und das Rosenrondell auf der dort nahe gelegenen Pfaueninsel. 1852 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Nach Maximilians Tod wurde die Insel einer der Lieblingsplätze seines Sohnes Ludwig II. Er setzte mit seinem Dampfboot "Tristan" von Schloss Berg über und empfing dort Richard Wagner, die Zarin Maria Alexandrowna, Kronprinz Friedrich von Preußen und nicht zuletzt "Sisi", die Kaiserin Elisabeth von Österreich, die ihre Sommerfrischen regelmäßig im Hotel Strauch (ab 1900 "Kaisern Elisabeth") verbrachte. Lucchino Visconti hat in seinem Film "Ludwig II." (1972) diese Treffen mit Helmut Berger als Ludwig und Romy Schneider als Elisabeth am Originalschauplatz nachgestellt. Später erlosch das Interesse der Wittelsbacher an der Insel, der Garten verwilderte, das Casino verfiel. 1970 kaufte der Freistaat Bayern die Insel, deren Wächter und einziger Bewohner Willi Friebe rundum nur als "Insel-Willi" bekannt war. Doch erst die von Norbert Pohlus eingerichtete Fährverbindung vom Platanenrondell am Ufer aus lenkte das Interesse der Öffentlichkeit vermehrt auf das verwunschene Eiland und seine reizenden Bauten. Nach längeren Vorbereitungen wurden ab 1998 die Gartenanlage, der Rosengarten und das "Casino" nach den Originalplänen rekonstruiert. 2001 konnte die seit 1946 eingelagerte weiß-blaue Glassäule, ein Geschenk Friedrich Wilhelms IV. von Preußen, wieder im Zentrum des Rosariums aufgerichtet werden. Im Mai 2003 wurde der erste Rosenstock von insgesamt 400 verschiedenen Sorten gepflanzt, im Juli 2003 wurden in einem Festakt die rekonstruierte Gartenanlage und das Casino wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither wird der Gartensaal auch als stimmungsvolles Standesamt zu Trauungen genutzt.

Literatur: Norbert Hornung, Die Roseninsel (im Starnberger See). München, Hornung, 1975. 99 S. - Hölz, Christoph (Hrsg.), Königliche Träume. Casino und Park auf der Roseninsel im Starnberger See. München, HypoVereinsbank, 2001. 119 S. - Elmar Dionys Schmid und Martinus Fesq-Martin , Die Roseninsel im Starnberger See . Amtlicher Führer. München, Verwaltung der Staatlichen Schlösser Gärten und Seen, 2003. 96 S.

Öffnungszeiten: Mai bis 15. Oktober, 12-18 Uhr, Montag geschlossen. Führungen nach Bedarf. Eintrittpreise 3.- (regulär), 2.- (ermäßigt). Tel. und Fax. 08157-4949

 
Zusammengestellt von Ursula Neudorfer unter Mitarbeit von Eberhard Köstler
 
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