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Das untere Dorf Das obere Dorf
Orts- und
Baugeschichte
Zwischen
Kirche und Park
Bahnhof zur
Villen kolonie
Im Park Jenseits der
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Ortsteil
Garatshausen
Ortsteil Wieling   Literatur
 
Villenkolonie am Höhenberg *

1898 erwarb die Heilmann'sche Immobiliengesellschaft aus München den gesamten westlich der Seestraße nach Tutzing gelegenen Teil des königlichen Schlossparks, um auf dem Gelände eine repräsentative Villenkolonie zu gründen. Nachdem das Gelände überarbeitet und trockengelegt worden war, wurden die nötigen Straßen und Versorgungsleitungen angelegt. So entstanden Grundstücke in Hanglage auf drei Ebenen, die durch die Höhenbergstraße, die Pschorrstraße und die Thurn-und Taxis Straße zugänglich gemacht waren. Die erschlossenen Baugrundstücke wurden gleichzeitig mit Planung und Bau von Villen angeboten. Die Bebauung lief zügig an und war etwa zu Beginn des Ersten Weltkriegs in den wesentlichen Bereichen abgeschlossen. Damit war eine der bedeutendsten Villenkolonien im Umkreis von München entstanden.

In der am höchsten gelegenen Reihe finden sich (jeweils von Norden nach Süden) die Anwesen Gerber, Bernheimer, Bergmann, Lempuhl, Waldberta und Carl, etwas unterhalb in einer zweiten Reihe Hutschenreuther, Schwörer, Pschorr, Feinhals, Schwarz, Hofmann und Pfister sowie Arendt, eine dritte Reihe wird durch die Häuser Prange, Liesecke, Hecht, Hertle, Zilcher, Bauer, Wanner und Pemsel gebildet, während südlich des Eichgrabens die heute verschwundenen Villen Tirpitz, Einsiedel und Andreae sowie das "Villino" standen.

Höhenbergstraße: Nr. 9 "Villa Bernheimer" (1912-13 mit Torhaus erbaut für den Kunsthändler Otto Bernheimer; seit 1956 Volksschule). - Nr. 15 "Villa Bergmann" oder "Parkvilla" (1902 von Eugen Drollinger erbaut für den Industriellen Sigmund Bergmann). - Nr. 20 "Villa Engelhorn" (1923-24 mit Gartentor und Remise erbaut). - Nr. 31 "Villa Waldberta" (1901-02 erbaut von G. Baierle für den Bankier Bernhard Schuler, spätere Besitzer waren der Verleger A. W. Sythoff sowie Franz und Bertha Koempel; heute internationales Stipendiatenhaus für Literatur und Kunst der Stadt München. Einer der Stipendiaten war der Literatur-Nobelpreisträger von 2002 Imre Kertész. Vgl. www.muenchen.de/Rathaus/kult/wir/referatsleitung/waldberta/39431/). - Nr. 35 "Villa Carl" (erbaut 1910-12 mit einer kleinen Landwirtschaft von Richard Riemerschmid für den Verleger Hans Carl; gut erhaltene Innenausstattung). Nahe der Villa Carl bietet der Tóalmasplatz schöne Ausblicke auf See und Gebirge. - Nr. 40 "Pfistervilla" (1898-99 erbaut von Eugen Drollinger für Kommerzienrat Otto von Pfister; frühester Bau der Villenkolonie).

Thurn-und Taxis-Straße: Nr. 11 (erbaut 1902-03 von Eugen Drollinger für Kommerzienrat Joseph Pschorr; später Landschulheim Dr. Greite). - Nr. 13 "Villa Feinhals" (erbaut 1902 von Eugen Drollinger für den Hofopernsänger Fritz Feinhals).

Pschorrstraße Nr. 9 "Villa Prange" (erbaut 1903-04 von G. Baierle für den Zahnarzt Dr. Christensen).

Literatur: Der gesamte Baubestand wurde von Gerhard Schober in zwei Veröffentlichungen 1989 und 1998 vorbildlich dokumentiert.

Der südliche Teil der Villenkolonie jenseits des Eichgrabens bildet heute das Gelände der " Fernmeldeschule und Fachschule des Heeres für Elektrotechnik" und kann nur im Rahmen geführter Besichtigungen von Thomas Manns "Villino" nach Voranmeldung besucht werden. Das Gelände hat aber in der Vergangenheit mehrere erstaunliche Nutzungsänderungen erfahren.

1. Villenkolonie

Der südliche Teil der Villenkolonie am Höhenberg mit seinen teilweise sehr großen Grundstücken wurde erst ab 1912 bebaut. Es entstanden dort Landhäuser für den Berliner Bankier Fritz Andreae (1926-27), den Großadmiral Alfred von Tirpitz (1928) und Anita Gräfin Einsiedel (1921 für Sophie Hormann erbaut) sowie das unten genauer beschriebene "Villino" (1912).

2. "Reichschule der NSDAP".

Die genannten Villen wurden ab 1937 von der NSDAP für ihre Eliteschule regulär angekauft und teilweise nach führenden Nationalsozialisten umbenannt. So gelangten 1937 die "Villa Andreae" ("Hermann-Göring-Haus") und die Villa Einsiedel ("Joseph Goebbels-Haus"), 1938 die Villa Tirpitz und das "Villino" ("Admiral-Franz-von-Hipper-Haus"; Hausmeisterwohnung) in den Besitz der Partei. Ab 1938-42 wurden unterhalb der Villa Andreae acht blockartig lang gestreckte, noch heute bestehende Unterkunftshäuser, die sog. "Sturmblockhäuser", im Gebirgsjägerstil für die Schule errichtet. Zum Bau wurden auch 80-90 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau eingesetzt, die in einer abgesonderten Baracke unterhalb der sog. "Parkvilla" (Höhenbergstr. 15), die auch die Geschäftsstelle der Schule beheimatete, untergebracht waren.

Die "Reichsschule" wurde 1933 unter dem Namen "Nationalsozialistische Deutsche Oberschule Starnberger See" als Privatschule der Obersten SA-Führung ins Leben gerufen und im Januar 1934 eröffnet. Gründerpatron war Ernst Röhm, als Lehrer wurden Offiziere verpflichtet. Nach der Ermordung Röhms spielten Martin Bormann, Rudolf Heß und Fritz Waechtler die Rolle der Schutzherren. Auf Anordnung von Heß wurde die Schule 1939 in "Reichsschule der NSDAP" umbenannt. Die Schule war, verteilt über den ganzen Ort, in etwa 40 teils gekauften, teils beschlagnahmten Villen untergebracht. Als erstes erwarb man das sog. "Kurhaus" (Bahnhofstr. 13), dann breitete sich die Schule über die gesamte Villenkolonie aus, um die Eliteschüler standesgemäß unterbringen zu können. "Die dafür geeigneten Villen, oft im Besitz jüdischer Familien, mussten nach und nach und wohl unter entsprechendem Druck abgegeben werden. Der Kaufpreis lag dabei vermutlich weit unter dem tatsächlichen Verkehrswert" (Schober 1998, S. 491).

Die "Reichsschule" nahm eine führende Ausnahmestellung unter den NS-Eliteschulen ein. Leistung, Ehrgeiz und Stolz auf Privilegien wurden gepflegt, Drill und Schliff waren untergeordnet. Golfspiel, Segeln und Skifahren gehörten zum Lehrstoff. Die Schüleruniform bestand aus Braunhemden und Lederhosen. Einige der Schüler wurden später bekannt oder machten Karriere, so etwa der Bankier Alfred Herrhausen (1930-1989; Schüler ab 1942), die Journalisten Jochen Steinmayr ("Zeit-Magazin"), Werner Holzer (1926-1972; "Frankfurter Rundschau") und Otto Schuster (geb. 1925; "Eltern", Gruner & Jahr; Schüler von 1941-44), der Reiseunternehmer Ernst Esser (geb. 1926; Schüler von 1936-42) oder der Sohn von Martin Bormann (geb. 1930; Schüler von 1941-45). Am 23. April 1945 wurde die Schule aufgelöst, die Schüler wurden auf Anordnung der Besatzungsmächte zunächst einmal vom höheren Bildungsweg ausgeschlossen.

Literatur: Johannes Leeb (Hrsg.), Wir waren Hitlers Eliteschüler. Hamburg, Rasch & Röhring, 1998. - [Erinnerungen ehemaliger Schüler sowie ein Essay zur Schulgeschichte]. - Wagner, Günter, Die Fahne ist mehr als der Tod. Roman einer Generation. Hamburg, Claassen, 1958. - [Schlüsselroman über die Schule von einem ehemaligen Schüler].

3. Lager für DP's ("Displaced Persons", Heimatlose Ausländer).

Von Ende April 1945 an entstand auf dem Schulgelände das erste rein jüdische Durchgangslager für meist aus Osteuropa, besonders Polen und Ungarn, verschleppte und aus Konzentrationslagern befreite "Displaced Persons", das unter Selbstverwaltung mit einer Vielzahl kultureller Einrichtungen und sogar mit einer eigenen Währung, dem Feldafinger Dollar, bis zum 31. Mai 1951 bestand. Auch in jene von der "Reichsschule" verlassenen Villen der Höhenbergkolonie wurden die Armseligen einquartiert. Sie mussten sich dort, mit dem Lebensnotwendigsten versorgt und unterstützt von der frisch gegründeten Flüchtlings-Hilfsorganisation UNRRA ( United Nations Relief and Rehabilitation Administration) sowie vom Roten Kreuz, mit unzulänglichen hygienischen und sozialen Bedingungen abfinden. Ihre Not ließ sie Vieles der ehemals luxuriösen Innenausstattung, wie Klaviere, Böden und Türen, zerstören oder als Heizmaterial verwenden. Die DP's sollten sich nach der Vorstellung der amerikanischen Militärregierung hier von den ausgestandenen Qualen in den Konzentrations- und Arbeitslagern regenerieren und zugleich ihren weiteren Weg im jeweiligen Heimatland, in Palästina oder den USA vorbereiten. Das große Hotel war Lagerlazarett, die Maffeivilla Chirurgie. Viele DP's waren jedoch durch die vorangegangen Entbehrungen und Misshandlungen bereits so geschwächt oder krank, dass sie die erste Nachkriegszeit nicht überlebten und in Feldafing auf einem neu eingerichteten jüdischen Friedhof bestattet wurden. Trotz aller Hemmnisse konnten die meisten Bewohner in dem landschaftlich schön gelegenen Lager neuen Mut schöpfen, um ihren Lebensgang fortzusetzen. Die eingesessene Bevölkerung, die sich offenbar von der Traumatisierung der jüdischen KZ-Opfer keine rechte Vorstellung bildete, stand den von ihnen schlicht als "KZlern" bezeichneten fremdländischen Lagerinsassen verständnislos oder ablehnend gegenüber. Die Opfer des untergegangenen Systems störten beim Neuanfang in der "Stunde Null".

Von den gleichzeitig bis zu 6000 Personen in diesem größten DP-Lager der amerikanischen Zone waren zuletzt nur noch wenige geblieben. Im März 1953 schloss das nunmehr in deutsche Verwaltung übergegangene Lager endgültig.

Literatur: Simon Schochet [geb. 1926 in Lodz, lebt heute als Historiker in Brooklyn Heights, N.Y.], Feldafing. Vancouver, November House, 1983. 175 S. - [Augenzeugenbericht eines der frühesten Lagerbewohner aus den Jahren 1945-46]. - Ernest Landau, Die ersten Tage in Freiheit. In: Michael Brenner, Nach dem Holocaust. Juden in Deutschland 1945-1950. München 1995. S. 117-28. - [Augenzeugenbericht]. - www.shoa.de (Nachkriegsdeutschland - Deutschland in der "Stunde Null").

4. Fernmeldeschule und Fachschule des Heeres für Elektrotechnik.

Unmittelbar nach der damals umstrittenen Gründung der Bundeswehr wurde ab 1956 auf dem Gelände, das 1951 in den Besitz des Freitaates Bayern übergegangen war, eine "Fernmeldeschule des Heeres" aufgebaut. Dazu wurden Neubauten errichtet, denen die Villen Tirpitz und Einsiedel zum Opfer fielen. An der Stelle der Villa Andreae steht heute das Offizierskasino.


* alle hier aufgeführten Villen und Landhäuser sind in Privatbesitz und können nicht besichtigt werden
 
Zusammengestellt von Ursula Neudorfer unter Mitarbeit von Eberhard Köstler
 
Bildrechte Gemeinde Feldafing - Ein Download wird nur für private, doch nicht für kommerzielle Zwecke gestattet. Eine Weitergabe an Dritte, z.B. Sponsoren usw. wird nicht gestattet. Politische Parteien und Gruppierungen dürfen die Bilder nicht benützen.
 
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